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mit Herz und Haltung

Friedrich der Größte — ein Kanzler schafft sich ab


Screenshot von cdu.de vom 26.06.2025 - neben einem Foto von Friedrich M. der Text: Mit 1,98m ist Friedrich Merz der bis dato größte Kanzler.
Chaos-Kommunikation im Kanzleramt: Nach 14 glücklosen Monaten im Amt kommt jetzt auch noch Pech dazu.

Pünktlich zum Sommerloch zeigte der — in Metern — größte Kanzler der Bundesrepublik, was in ihm steckt.

Schonungslos.
Ahnungslos.
Erfolglos.

Wie — vermutlich — Thorsten Frei es schon am Tag von Spahns Rücktritt dezent der Presse gesteckt hat, übernimmt Thorsten Frei, der bisherige Chef des Kanzleramts, die Nachfolge von Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender. Mit zusätzlichen Ambitionen auf Parteivorsitz und Kanzlerschaft. Was vermutlich alle bis auf Friedrich den Größten erkennen und die meisten auch gut finden.

Soweit so einfach. Hätte man jetzt also das Kanzleramt mit einem neuen Gesicht nachbesetzen können und die Sache wäre erledigt gewesen.

Hätte, hätte, Fahrradkette.

Getreu dem Motto, wer sonst nichts kann, baut das Team um, ist Friedrich der Größte in einen Produktivitäts-Wahn verfallen.

Der — in Metern — größte Kanzler hat überraschend die Gesundheitsministerin aus dem Gesundheitsministerium abberufen und als Kanzleramtsministerin ins Kanzleramt versetzt. Mag daran liegen, dass die groß angekündigte Gesundheitsreform nicht das tut, was sie tun soll.

Wobei es da ja schon bei der Frage, was eine Gesundheitsreform tun soll, unterschiedliche Meinungen gibt.

In meinen Augen sollte die dringend nötige Gesundheitsreform der breiten Masse Zugang zu allen Gesundheitsleistungen bieten, die sich in der Geschichte der Menschheit als hilfreich erwiesen haben. Homöopathie ausdrücklich mit einbezogen. Kann man vielleicht nicht so messen, wie man gerne möchte, ist aber für viele Menschen hilfreich. Aber eben auch Zahnimplantate, Augen-OPs, Kuren, Physio- und Psychotherapien. Wem das zu sozialistisch ist, der kann es ja streng wirtschaftlich sehen: Man könnte mit einem Ausbau des Gesundheitswesens den Verfall der Automobilindustrie auffangen.

Für derartige Visionen ist die ganze Union aber leider zu kurzsichtig. Für den — in Metern — größten Kanzler, den die Bundesrepublik bis dato hatte, ist Reform nur ein Euphemismus, um die schweren Kürzungen als Fortschritt zu verkaufen.

Laut einer der unzähligen Ankündigungen des — in Metern — größten Kanzlers, spart die Gesundheitsreform 20 Milliarden Euro im Jahr, gerecht verteilt auf alle Beteiligten. Abgesehen davon, dass dieser Sparwahn per se mehr schaden als nützen wird, läuft natürlich nichts wie geplant und vorschnell verkündet.

Die beteiligten Pharma-Konzerne (allesamt vermutlich Großspender der CDU) haben gleich mal ihre zuletzt angekündigten Investitionen in den Wirtschaftsstandort Deutschland zurückgestellt. Ein Schelm, wer schon die ursprünglichen Ankündigungen angezweifelt hat.

Durch die Blume wurde zusätzlich mit Lieferengpässen bei Medikamenten gedroht. Wenn ich das aktuelle Schweigen richtig deute, verteilt sich das Einsparpotenzial der Pharma-Konzerne gerade auf die verbliebenen Beteiligten.

Die beteiligten Krankenhäuser machen teilweise dicht, weil nach 15 Jahren Schuldenbremse im laufenden Betrieb schlicht nichts mehr eingespart werden kann. Ich habe noch nicht ganz verstanden warum, aber die Regierung sagt, das ist gut für die Menschen am flachen Land, wenn diese kleinen Kliniken schließen.

Bei der Psychotherapie scheint der — in Metern — größte Kanzler auf KI zu setzen. Frag doch einfach Tschet-Tschibidi. Ganz ohne Wartezeit. Auch ohne ÖPNV immer erreichbar.

Spaß beiseite: Anders sind die Kürzungen bei Therapien nicht zu erklären. Psychotherapeuten (ziemlich sicher keine Großspender der CDU) haben jetzt jedenfalls Existenzängste.

Meine Prognose: am Ende werden keine 20 Milliarden gespart. 70% der Patienten werden bestimmte Leistungen einfach nicht mehr bekommen. Nach einer Beratungsrunde bei MacKidney werden die verbliebenen 30% die Leistungen aus eigener Tasche zahlen müssen: zum doppelten Tarif, wie Emil so schön sagt. Heißt: der deutschen Wirtschaft fehlen dann weitere 40 Milliarden an Kaufkraft.

Nachdem da also gerade die Hütte — bzw. das ganze Ministerium — brennt, ist die Versetzung der Ministerin eigentlich nur konsequent. Man muss für den Gegner — in diesem Fall wohl die Patienten und Psychotherapeuten — unberechenbar bleiben.


Jetzt brauchte man also einen neuen Gesundheitsminister. Das macht der Carsten Linnemann, Fritzchens rechte Hand im Wahlkampf 2025.

Nach dem Wahlsieg hatte der — in Metern — größte Kanzler den — empathisch — kleinen Carsten bei der Regierungsbildung irgendwie übersehen. Kann ja mal passieren. Wer allen immer gleich alles verspricht, kommt bei nur 16 Ministerien halt an Grenzen.

So war mit dem Wahlkampf auch Carstens Karriere vorbei. Zum Glück hatte er das Wahlprogramm — einfach mal machen — zu einem Podcast verarbeitet und konnte damit weiter durch die deutsche Medienlandschaft touren.

Wie eine liebe Kollegin, finde ja auch ich, einfach mal machen ist ein super Rat, wenn man den Keller entrümpeln will. In der Politik scheint die Taktik bislang allerdings nicht aufzugehen.

Nach 14 Monaten auf dem Abstellgleis wird Linnemann jetzt also Gesundheitsminister. Dumm nur, dass er am 6. Mai 2025 von gehässigen Journalisten gefragt worden war, warum alle ein Ministerium bekommen haben, nur er nicht, und er darauf staatstragend erklärte:

Nur um einmal Minister zu sein, damit das irgendwo bei Wikipedia steht, das ist nicht mein Ding. Ich wäre auch nicht erfolgreich gewesen. Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, [zum Beispiel] als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen. Die Leute hätten gesagt: Warum wird der Gesundheitsminister? Was hat der damit zu tun? Deswegen: Schuster bleib bei deinen Leisten. Mach das, was du kannst.

Heute sagt Linnemann dazu:
Es kommt manchmal anders, als man denkt.

Ich glaube ja, das Denken kommt bei diesem unglücklichen Motto einfach mal machen noch zu kurz.


Mit der Rekrutierung Linnemanns vom Abstellgleis hätte die Personal-Rochade also eigentlich vorbei sein können. Hätte man Linnemann vom Abstellgleis direkt ins Kanzleramt gesetzt, hätte man das Gesundheitsministerium sogar in Ruhe und geordnet abbrennen lassen können.

Hätte, hätte, Fahrradkette.

Man soll bekanntlich aufhören, wenn’s am schönsten ist. Da wir von schön aber noch sehr weit entfernt sind, hat Friedrich der Größte sich gleich in den nächsten Fettnapf gestürzt. Er hat Philipp Amthor zum Staatsminister für die Bund-Länder-Zusammenarbeit ernannt.

Der bisherige Staatsminister wurde entlassen und aufs Abstellgleis verfrachtet. Ein klassischer Fall von Shoot the Messenger. Die Landesregierungen sind unzufrieden, weil die Zusammenarbeit mit der Bundesregierung so holprig läuft. Was — ich wiederhole mich gern — am Motto der Partei liegen dürfte: einfach mal machen.

Das Motto klingt so einfach und deshalb verkündet Friedrich der Größte jeden Geistesblitz wie eine erfolgreiche Umsetzung. Sobald sich dann die eine Hälfte an die Umsetzung macht, stellt die andere Hälfte fest, dass es gar nicht geht. Außerdem neigt der — in Metern — größte Kanzler dazu, die (sehr bescheidenen) Steuerentlastungen der Bürger immer wieder in den (sehr klammen) Länderkassen zu planen.

Solange der — in Metern — größte Kanzler seinen Führungs- und Kommunikationsstil nicht ändert, wird auch ein neuer Staatsminister hier keine heilen Welten bauen.

Hinzu kommt, dass sich in der Person Amthor die heilige Dreifaltigkeit der Union materialisiert: Inkompetenz, Korruption und Inkompetenz bei der Korruption.

Vor Jahren hat er sich mit Aktienoptionen dafür bezahlen lassen, dass er einer — meiner unerheblichen privaten Meinung nach — windigen KI-Firma aus den USA, einen Kontakt zum Kanzleramt hergestellt hat. Schriftlich, auf seinem Briefpapier als Abgeordneter.

Das tolle Geschäft hat er dann wohl mit Luxusreisen gefeiert. Ich habe vergessen wie genau, aber irgendwie ist der Presse wohl aufgefallen, dass da was nicht zusammen passte. Es gab strafrechtliche Ermittlungen.

Da hatte Amthor Glück.

Weil der zuständige Paragraph bei Bestechung eher auf Cash im Koffer oder schweizer Bankkonten ausgelegt war, Aktienoptionen aber weder Fleisch noch Fisch sind, konnte der Generalstaatsanwalt die Ermittlungen einstellen.

Danach hatte Amthor Pech, weil die windige KI-Firma pleite gegangen ist, ehe er seine Optionen versilbern konnte. Die Pleite wiederum mag daran gelegen haben, dass man in Merkels Kanzleramt halbwegs vernünftig gearbeitet hat und die KI-Firma trotz Amthors persönlicher Werbung abgeblitzt ist.

Versagen auf ganzer Linie und gegen alle Stakeholder, einschließlich sich selbst. Muss man auch erstmal hinbekommen.


Ich finde es bedenklich, dass ein Politiker, der nach dem Gerechtigkeitsempfinden vieler Bürger korrupt ist, weiter der Spitzenkandidat in seinem Wahlkreis ist. Es lässt mich an den Menschen zweifeln, dass die ihn trotzdem immer wieder wählen. Dass er jetzt obendrein vom Kanzler noch befördert wird, tut der Demokratie keinen Gefallen.


Für den Sommerurlaub hätte es damit nun wirklich genug des Unheils sein können. Doch der — in Metern — größte Kanzler schien sich vorgenommen zu haben, dieses Jahr im Alleingang das Sommerloch zu füllen. Wo er gerade so schön am Umstellen war, hat er sich also auch gleich noch das Verkehrsministerium vorgenommen.

Der aktuelle Verkehrsminister — Patrick Schnieder, auch CDU — ist schon seit 14 Monaten im Amt, vom — in Metern — größten Kanzler der Bundesrepublik selbst auf den Posten gesetzt, hat die Versäumnisse der vergangenen 40 Jahre aber noch nicht abgearbeitet.

Schnieder hat ein Milliardenbudget (bräuchte allerdings Billionen), doch die 40.000 maroden Brücken sind immer noch marode; die 20.000 km maroder Schienen sind immer noch marode; und kürzlich ist der tschechische Verkehrsminister mit dem ICE auf irgendeinem maroden Provinzbahnhof gelandet. Schnieder war somit offenbar eine Fehlbesetzung und muss weg.

Gesagt, getan.

Zum Glück gibt es genug Ersatz. Was muss ein deutscher Verkehrsminister schon groß können? Atmen und jammern. Friedrich der Größte tut also, was alle großen Manager tun, und ruft persönlich bei Schnieder an.

Da zeigt sich der Herr der Schöpfung.
Der Führer.
Der Bestimmer.

Einfach mal machen.

Kein Verstecken hinter der Personalabteilung. Gut, so ein Bundeskabinett hat jetzt auch nicht direkt eine Personalabteilung. Aber eben auch kein Verstecken hinter dem Leiter des Kanzleramts. Wobei der letzte Leiter des Kanzleramts eben dieses ja gerade verlassen hat und die künftige Leiterin noch nicht im Haus ist.

Sei es wie es sei:
Selbst telefoniert der starke Mann.

Der — in Metern — größte Kanzler der Bundesrepublik teilt seinem aktuellen Verkehrsminister also am Donnerstagnachmittag mit, dass er Freitag früh um 9 Uhr auf einer Pressekonferenz den neuen Verkehrsminister vorstellen wird.

Freitag früh um 7 Uhr schreibt Schnieder den Mitgliedern im Verkehrsausschuss eine SMS:

Liebe Kollegen, der Bundeskanzler hat mir gestern am späten Nachmittag mitgeteilt, dass er mich als Verkehrsminister entlassen wird. Heute Morgen um 9.00 Uhr wird er dies u. a. in einer Pressekonferenz öffentlich machen. Ich wollte Euch vorher informieren. Die Zusammenarbeit mit Euch war hervorragend. Beste AG der Welt! Vielen Dank für Eure großartige Unterstützung! Herzliche Grüße Euer Patrick


Das wäre an sich auch gar kein Problem gewesen, hätte nicht um 4 Uhr früh der designierte Verkehrsminister dem — in Metern — größten Bundeskanzler abgesagt. #undankbareAufgabe #NeinDanke


Aus der vertraulichen SMS an die lieben Kollegen wussten um 9 Uhr alle Pressevertreter, dass es einen neuen Verkehrsminister geben sollte. Gab aber keinen. Nur die Ankündigung, dass der — in Metern — größte Kanzler das Zepter fest in der Hand hält und er weitere Ankündigungen machen wird, wie es ihm gefällt, wenn er — ohne Zeitdruck und trotz Sommerpause — in einigen Tagen — oder auch später — einen Dummen gefunden hat.

Für eine Chefsache ist das bemerkenswert schief gelaufen.

Konstruktive Kommunikation geht jedenfalls anders, wie uns Patrick Schnieder zeigt.

Nachdem der — in Metern — größte Kanzler keinen Nachfolger nennen konnte, bat Patrick Schnieder selbst um seine Entlassung, um den "unwürdigen Zustand" zu beenden.

Parallel lud die CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz den — in Metern — größten Kanzler von der Klausurtagung aus, weil trotz seiner 1,98m das
"[...] Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung [...] durch die aktuelle Situation so leider nicht gegeben ist."

Offenbar hatte Friedrich dem Größten niemand gesagt, dass Patrick Schnieder (der ehemalige Verkehrsminister) der Bruder von Gordon Schnieder (dem Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz) ist.