Das fällt mir schwer, in Worte zu packen. In mir drin abgespeichert sind das ja Gefühle und Bilder.
Die größte Erkenntnis ist das Thema Hilfe.
Akzeptieren, dass man Hilfe braucht. Akzeptieren, dass man deshalb nicht weniger wert ist. Akzeptieren, dass es viele Ärsche gibt, die dich fertig machen, wenn du um Hilfe bittest, aber noch viel, viel mehr Menschen, die sich freuen, wenn sie dir helfen können.
Zum Thema Hilfe zähle ich ganz ausdrücklich auch die unscheinbaren Momente, die auf den ersten Blick gar nicht wie Hilfsaktionen aussehen. Ein Kaffee mit Freundaen°, bei dem man einander zuhört. Umarmungen und Schulterklopfen, ohne große Worte. Das Gefühl vermittelt bekommen, ernst genommen zu werden.
Fast genauso groß ist der Bereich Schmerz.
Der Schmerz, wenn Freundae° etwas Verletzendes sagen. Der Schmerz, Freundae° zu verlieren. Bei einigen habe ich die Verbindung abgebrochen, weil ich mir die verletzenden Kommentare nicht mehr geben wollte. Andere haben sich von mir abgewendet, weil sie mein ADHS als Wahn oder Charakterfehler oder Makel gewertet haben.
Anfangs war sowas extrem schmerzhaft und hat endlose Grübeleien und Selbstzweifel ausgelöst. Heute sehe ich das als heilsam. Lieber ein Ende mit Schmerz, als Schmerz ohne Ende. Lieber wenige Freundae°, mit denen ich lachen kann und in deren Anwesenheit ich mich wohlfühle, lieber Freundae°, mit denen ich nur online schreibe, als falsche Freundae°, die mich runterziehen.
Und damit wird jetzt auch das dritte Bild zu Worten: Selbstliebe.
Die dunklen Wolken, die aus jahrzehntelangen Vorwürfen entstanden sind, die lösen sich nicht von allein auf. Mir war lange gar nicht bewusst, dass all die kleinen, hässlichen Beschimpfungen — sowas wie faul, dumm und frech — über die Jahre zu ernsthaften Traumata geführt haben.
Auch da waren es Gespräche, die geholfen haben. Immer mal wieder hat jemand, den ich für einen großartigen Menschen hielt und bewundert habe, seine schwarzen Wolken mit mir geteilt. Und das waren oft ganz ähnliche schwarze Wolken, wie in mir. Da habe ich dann Stück für Stück erkannt, dass diese schwarzen Wolken nicht meine Unzulänglichkeit, nicht mein Versagen sind, sondern die Boshaftigkeit anderer Menschen. Zuerst machen dich andere fertig. Irgendwann übernimmst du das und machst dich selbst fertig.
Ich glaube, das kann ich mit Worten jetzt nicht richtig rüberbringen. Es gibt wohl auch kein Allheilmittel. Aber alleine, sich mit dem Thema Selbstliebe zu beschäftigen, ist wichtig.
In einem Buch von Kristin Neff bin ich über ein Beispiel gestolpert. Zwei Freunde treffen sich in einem Café und A sagt zu B etwas in der Art: “Du fettes Stück wirst ja jetzt wohl keinen Kuchen essen.”
Ein Satz, so gemein, mir stand beim Lesen der Mund offen. Und dann die Erkenntnis, dass ich so niemals mit Freundaen° reden würde, dass ich aber sehr oft so zu mir selbst geredet habe.
Das war ein Wachrütteln.
Mir fielen dann all die Dinge auf, die ich meinen Freundaen° schon immer von Herzen gegönnt habe, die ich mir selbst aber nicht wert war. Mittlerweile kann ich mir ein Stück Kuchen entweder gönnen und es dann auch so richtig genießen, oder ich gönne mir den Verzicht und lobe meine Willensstärke. Noch krasser als bei Kuchen ist das bei Pausen. Ich gönne mir ab und an eine Stunde Tagträumen.
Ich bin heute netter zu mir selbst.