Die Frage schüttelt mich ziemlich durch. Sie erinnert mich, wie ambivalent die Welt ist.
Als Erstes — und das will geradezu aus mir herausplatzen — kommt das überwältigende Gefühl, wie machtlos ich bin, Eigenverantwortung neu zu definieren. Es kommen all die Totschlagargumente grauer Männer in blauen Anzügen hoch, die ich mir schon anhören musste.
Konservative Geister zu überzeugen, dass Eigenverantwortung und Unterstützung Hand in Hand gehen, ist nahezu unmöglich.
Wenn es mir gelingt, die vielen, negativen Gespräche abzuschütteln, die ich hierzu bereits hatte, dann sehe ich das Thema doch recht zuversichtlich.
In vielen Familien hat bereits ein Umdenken eingesetzt. Eltern möchten ihre Kinder heute nicht mehr nur „fit für den Arbeitsmarkt“ machen, sondern sie dabei unterstützen, sich als eigenständige Persönlichkeiten zu entwickeln. Auch in Kitas und Schulen beobachte ich vermehrt Ansätze, die auf Selbstständigkeit, kritisches Denken und individuelle Entwicklung setzen.
Das entwickelt sich also für viele Kinder in eine gute Richtung.
Das heißt aber nicht, dass wir uns darauf ausruhen können. Aufklärung bleibt notwendig – und zwar nicht im belehrenden Sinn, sondern im inspirierenden. Menschen müssen sehen und erleben können, was Eigenverantwortung im besten Sinne bedeutet.
Wenn du mich ganz konkret fragst, halte ich kreative Formate für besonders erfolgsversprechend. Ein europaweiter Kurzfilm-Wettbewerb etwa, bei dem junge Menschen zeigen, was Eigenverantwortung für sie persönlich bedeutet. Keine theoretischen Abhandlungen, sondern gelebte Beispiele. Geschichten, die berühren und zum Nachdenken anregen.
Denn Haltung lässt sich nicht verordnen.
Aber sie lässt sich anstoßen.