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schreiben, was kommt

Traue keinem Kabel


In Berliner Strategiekreisen wurde lange darüber gesprochen, welche Menschen nicht mehr ins Stadtbild passen. Dann landeten interne Gespräche dort, wo sie nie landen sollten: bei jemandem, der selbst zur Zielscheibe dieser Politik geworden war.


31. Oktober 2028, 18:20

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schreiben, was kommt
Wer kennt es nicht? Das kurze Telefonat aus dem Fond des Dienstwagens ufert aus. Das Briefing, wie sich möglichst schnell, möglichst günstig, möglichst viele komische Figuren aus dem Stadtbild entfernen lassen, wird zur nicht enden wollenden Diskussion.

Der Akku ist bei 3%. Die Powerbank lädt seit dem Wochenende in einer Designer-Küche im Sauerland. Die Ersatz-Powerbank lädt auf dem Schreibtisch im Büro. Und die Ersatz-Ersatz-Powerbank musste gerade ihr Letztes geben, um das 90-Minuten-Briefing mit einem Machtwort statt einem Blackout zu beenden.

Ein Glück, wenn der nächste Termin in den vertrauten Kanzleiräumen der langjährigen Strategie-Partner stattfindet. Ob Loperamid, Lesebrille oder Ladekabel: der freundliche junge Mann an der Rezeption war in allen Situationen ein Retter in der Not.

So oder so ähnlich dachten das wohl alle, die wichtig genug sind, um Zutritt zu den geheiligten Hallen der Strategie zu erhalten. Doch wie unsere neue Reihe “Nimmå-Leaks” zeigt: Traue keinem Kabel!


Begonnen hatte diese Reportage weit entfernt von Macht, Strategie und Plänen. Weit entfernt vom Berliner Regierungsviertel. Michael Müller (Name von der Redaktion geändert) fühlte sich machtlos und hatte weder eine Strategie noch einen Plan.

Er — mit dem Pronomen war er sich ganz sicher — steckte im Körper einer Frau. Und zwar — wie Margaret Bowman es in Hell or High Water so treffend formulierte — [not in] the good kind.

Als wäre da nicht schon genug Wut, Angst und Ablehnung in ihm, sprang ihm auch aus sämtlichen Medien rund um die Uhr Wut, Angst und Ablehnung ins Gesicht.

Warum? Warum wollten fremde Menschen ihm erzählen, wie er zu fühlen hatte. Wie er sich zu verhalten hatte. Wie er sprechen solte. Wie er sich anziehen sollte.


Manchmal sagt Michael, er hatte doppeltes Glück im Unglück.

Das erste Glück:
Trans Männer haben es im Alltag oft leichter als trans Frauen. Männer achten weniger auf andere Männer. Noch weniger kommentieren sie das Aussehen eines anderen Mannes.

Das zweite Glück:
Seine Suche nach dem Warum brachte ihn über Umwege zu seinem Traumjob: irgendwas mit Worten. Michael war nämlich aufgefallen, dass im Hintergrund vieler trans-feindlichen Aktionen der gleiche Name auftauchte. Die rennomierte Kanzlei für Strategieberatung Dr. Satt & Dr. Nimmå. Beste Lage im Berliner Machtzentrum in direkter Nachbarschaft des Reichstags. Und dass eben jene Kanzlei gerade eine persönliche Assistenz (m/w/d) für die Geschäftsleitung suchte.


Die erste Bewerbung — weiblich, durchaus attraktiv mit sehenswerten Referenzen aus einer Anwalts- und Steuerkanzlei — blieb unbeantwortet. Fast wäre diese Reportage damit zu einem ereignislosen Ende gekommen, ohne je begonnen zu haben.

Doch an einem verregneten Samstag, nach einer großen Tasse Doreen's Butter Rum Coffee, entstand eine zweite Bewerbung. Männlich, ansehbar, mit frei erfundenen Referenzen. Schon am Sonntags kam per Email die Einladung zum Vorstellungsgespräch.


Glück braucht der Mensch.
Und den Mut, einfach mal zu machen.



DAS DISPLAY ist stolz, dem immersiven Gesellschafts-Thriller Bundesrepublik Bananistan: alles ist möglich von Georg Odergut mit dieser fiktiven, frei erfundenen und doch erstaunlich real wirkenden Reihe Nimmå-Leaks - traue keinem Kabel zu mehr Tiefe, mehr Drama und mehr Verwirrung verhelfen zu dürfen.

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