Ricarda Daniela Pracht | Küchenpsychologin
she | her | Hallo Ricarda | du
Sie hat viele schlechte Seiten, da hast du recht. Dennoch geht es den Menschen heute überwiegend besser als jemals zuvor. Nicht nur in Deutschland. Fast überall.
Mir geht es auch nicht darum, die schlechten Seiten auszublenden. Ich will nur aus dieser Trostlosigkeit raus, aus diesem Gefühl, dass es immer schlecht bleiben wird und wir nur ohnmächtig zusehen können.
Tatsächlich haben wir doch mehr Macht als je zuvor.
Denk nur an einen Zeitungskiosk. Negative Themen dominieren auch dort. Du sollst ja zugreifen und kaufen, wenn du deinen Blick über die hundert verschiedenen Magazine schweifen lässt. Entsprechend überbieten die sich mit ihren Schlagzeilen und Cover-Fotos.
Du hast aber immer die Wahl, ob du ein Politik-Magazin kaufst oder eines über Garten, Architektur, Reisen, Essen, Sport, Kunst, Philosophie. Manchmal gibt es sogar die happinez.
Diese Vielfalt, die Freiheit selbst zu bestimmen, was du kaufst, ist für sich schon ein Zeichen dafür, dass wir heute in der besten aller Zeiten leben. Früher haben die Kirchen und Könige bestimmt, ob wir lesen durften und was überhaupt gedruckt wurde. Dann kamen Diktatoren und Parteien mit Zensurbehörden und Bücherverbrennungen. Heute sind wir selbst unsere eigenen Zensoren.
Wir leben in der besten aller Zeiten, aber wir nutzen es nicht.
Heute bietet jedes einzelne Smartphone Zugang zu mehr Wissen, als 1985 in allen Bibliotheken der Welt zusammen verfügbar war.
Das Temu-Gratis-Tablet heute hat mehr Rechenleistung als der Super-Computer, mit dem die NASA die erste Mond-Mission berechnet hat. Was machen wir damit? Wir spielen Candy Crush.
Wir verbringen zu viel Zeit damit, mehr zu fordern, anstatt darüber nachzudenken, wie wir mit den vorhandenen Ressourcen Träume verwirklichen. Wir vergeuden unsere wertvollste Ressource — Zeit — mit endlosen und immergleichen Diskussionen.